ALINA MARIA SCHÜTTE


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ARBEITEN 2014/ WAGNER ZYKLUS (TANNHÄUSER)


Technik
Acryl, Pigmente, Zellstoff, Öl auf Leinwand



  195 x 250 cm                                        195 x 250 cm                                         195 x 250 cm



  160 x 190 cm



  160 x 180 cm                               160 x 180 cm



  120 x 160 cm                  140 x 160 cm



Technik
Acryl, Pigmente, Zellstoff, Öl auf Kupferdruckpapier



  125 x 195 cm                     125 x 195 cm                    125 x 195 cm                   125 x 195 cm






  50 x 70 cm                       50 x 70 cm                       70 x 90 cm                       70 x 90 cm



  70 x 50 cm   




In einem Austausch zwischen der materiellen Beschaffenheit von Kunst und der dezidiert virtuellen Komponente
der Musik schafft Alina Maria Schütte einen Dialog zwischen ihrer Malerei und der Musik Richard Wagners,
der die Gegensätze vereint und die Künste gegenseitig annähert.
Es lässt sich hier vielmehr eine Verbindung zu den verschiedenen Klangfarben und Intensitäten der orchestralen
Passagen der Opern Wagners herstellen, als zu dem mythischen Stoff und der dramatischen Adaption.
Die Bilder sollen in ihrer Form und Beschaffenheit eine Anmutung dieser monumentalen Motive liefern als
eine adäquate Ausdrucksform für eine mögliche Interpretation der Werke Wagners.
Mit dem Fluss der Musik wird der malerische Ausdruck an die Klangfarbe adaptiert und die Wirkung der Musik im
Bild wird zum Vehikel eines intermedialen Bewusstseinserlebnisses. Die zum großen Teil großformatigen Bilder auf
Leinwand eröffnen einen Immersionsraum und einen Kosmos, der in Verbindung zum Wagner-Kosmos den Betrachter
emotional aktiviert. Die abstrakten Formationen, die diese Bilder ausmachen bieten mit ihrer Anmutung der
Figürlichkeit einen Anhaltspunkt für das Auge und einen Ort zum Verweilen. Zudem bewirkt die Subtilität des
Bildpersonals eine Möglichkeit zur vielfältigen Identifikation mit dem Stoff der Wagnerischen Oper.
Die Gestaltung des Materials lässt mit ihren Formen die Bewegung der Musik vor dem geistigen Auge des
Betrachters lebendig werden. Die Bilder entstehen ihrerseits im Geist der Künstlerin durch die
Auseinandersetzung mit der Musik als eigene Inszenierung zur Musik Wagners.

Der Prozess im Schafen ist untrennbar mit den Eigenschaften der Musik verbunden. Im Fluss der Klangfarben wird
der Malakt zu einem rauschenden Theater im Fluss der Farbe. Die Farbmassen aus hochwertigen Pigmenten, Acryl und
Zellstoff werden in beträchtlichen Mengen ohne Werkzeug auf der liegenden Leinwand verbreitet; das Material wird
an der Musik entlang und im Bild dirigiert. Die bestimmte Farbigkeit der Bilder ergibt sich jeweils aus den
einzigartigen und von der Künstlerin selber angefertigten Pigmentmischungen, die für jedes Bild neu entstehen
und von einander in diversen Graden abweichen. Die Verwendung von pigmentierten Zellstoffmassen charakterisiert
das Œuvre der Künstlerin, weist jedoch eine Entwicklung in der Handhabung auf und eine Anpassung an die
musikalische Komponente im Schaffen. Der Unterschied besteht im Malakt selber. Die Farbe wird nicht mehr auf den
Träger geworfen oder geschleudert sondern wird ihrem eigenen Fluss und der Dichte des Materials überlassen.
Fast wie in den Aufzügen der Open Wagnerswird die Farbe in verschiedenen Phasen auf der Leinwand konstruiert.
Die Intensität und Einzigartigkeit der Farben im Bild selber und im Kontext des gesamten Zyklus führen gemeinsam
mit dem Kontrast der Materialien zu einem bildlich und optisch spannenden Ergebnis. Der fesselnde Effekt der
Bilder lässt sich hier zwischen den matten pigmentierten Zellstoffpartien und dem akzentuierenden Glanz der
Ölfarbe entdecken. Es baut sich eine Spannung in der Wahrnehmung und im Gemüt des Betrachters auf, die gleichsam
wie die Klangfarben der Musik Wagners in Wellen und Zyklen zwischen subtil und dynamisch changieren und in dem
Zwischenspiel ihre Qualität entfalten. Die Sinnlichkeit des Eindruckes, den diese Bilder hinterlassen, ist als
Wirkung dieser Spannung zu verstehen, die ebenso aus der Farbigkeit wie aus der Komposition entsteht.


Die absolute Einzigartigkeit der Bilder und Motive entsteht in dieser kaum sichtbaren Restzufälligkeit des
Flusses der Ölfarbe, die den Bildern eine magisch-mystische Qualität verleiht und ein Gefühl des rätselhaften im
Betrachter hinterlässt. In einer Reihe aus strukturierten Farbfeldern bekommt die dreidimensionale Qualität der
Zellstoffmassen eine zentrale Bedeutung in der Erscheinung des Bildes. Diese Dreidimensionalität des Materials
trägt zur strukturellen Opulenz des Eindruckes bei und leitet die Bilder in den Raum hinein. Die Farbmassen
legen hier ihren Selbstzweck ab und gliedern sich als Element der Konstruktion eines geschlossenen Ganzen ein.
Die Bilder befinden sich somit immer an der Schnittstelle zwischen materiell und virtuell, abstrakt und
figürlich sowie musikalisch und dramatisch. Die Mischung der Materialien bietet zusätzlich die Möglichkeit
gewisse figürliche Elemente zwischen den medialen Ebenen zu integrieren, z.B. durch die Andeutung oder explizite
Bildung graphischer Formen, oft als Vergitterung. Die Bewegung der Ölfarbe bewirkt, dass die angrenzenden
Partien umrandet und dadurch betont werden. Die Vergitterung wird so zu einem direkten Verbindungspunkt zum
Schaffensakt selber und liefert einen wesentlichen Teil zur Wirkung der Bilder. Nach einer ersten intensiven
Auseinandersetzung im Dialog mit der Musik gewinnen die Bilder eine Eigendynamik, die die Werke in den
Wagner-Kosmos einverleibt und vielmehr noch: sie zu einer Welt an und in sich wachsen lässt.

So wie durch die radikalen Veränderungen, die Wagner an das Musiktheater getragen hat, wird nun der Zuschauer
geistig in einen vollendeten Kosmos gelockt, der das Mysteriöse der Erscheinung zu enthüllen verspricht.
Die Vielfalt der Mittel und Möglichkeiten werden als Rezept verstanden, als ein Akt der Rekombination der
Elemente zu einem einzigartigen Gesamtergebnis. Eines dieser Elemente ist die Weise beschriebenen Malaktes
selber der weiterführend eine aufschlussreiche Verbindung zur Arbeitsweise Wagners aufweist.
Nach Wagner-Dirigent Christian Tielemann täuscht der Eindruck die Musik Wagners wirke hingeworfen:

“Vieles in seiner Musik wirkt hingeworfen- und ist doch gnadenlos berechnet. Wagner saß von seinem Notenpapier
wie in einem Labor, überall zischte und brodelte und qualmte es, und keiner wusste, ob seine Komponierstube
nicht im nächsten Augenblick in die Luft fliegen würde.”          
(Christian Thielemann, ‘Mein Leben mit Wagner’ München: Beck, 2012)

Man kann in den Bildern zwar nicht von einer stringenten Berechnung reden, es lässt sich jedoch ein verborgen
bewusster Umgang erkennen, der die Farben und Formen in dieser Weise wirken lassen. In der intensiven
Auseinandersetzung mit der Farbe wird auch das Atelier zu einem ‘Labor der Farbe’, was jede neue Mischung
und Komposition zu einem Experiment mit bewehrten Mitteln macht.

In den Bildern lässt sich eine Verbindung zwischen der Vielfalt der Tonkomponenten und ihrem möglichen Anklang
in den verschiedenen farblichen und kompositorischen Möglichkeiten auf bildlicher Ebene deuten.
Die Translationsleistung zwischen Musik und Malerei durch die Wahrnehmung der Künstlerin und ihre individuelle
Sensibilität für die Musik schafft eine mediale Analogie. Der Aufbau beider Medien weißt eine Ansammlung von
gesonderten Elementen auf, die nur in Zusammenarbeit ihre Wirkung entfalten können. So wie die einzelnen Noten
und Akkorde konkrete Kompositionen formen, so kommen Pigmente und Bindemittel zum gesamten visuellen Ergebnis
zusammen und ergeben erst als Ganzes eine harmonische einheitliche Erscheinung. Ein Rest geheimnisvoller
Anziehung, bleibt in diesem Zusammenhang durch die immaterielle Qualität der Musik erhalten, und kann alleine in
einer solchen vermittelten Form einen bildlichen Ausdruck finden. Das Zwischenspiel der Medien und der fesselnde
Anblick der Bilder verleiht dem Akt des Betrachtens durch die Dramatik der Bilder eine aktive Komponente.
Die Lesbarkeit der Werke wird so zum Effekt –der ähnlich wie das Reinhören in die Musik- das ‘Reinsehen’
in das Bild als Leistung des Betrachters erfordert.

Die Bilder wirken sowohl im Prozess der Produktion als auch in der Rezeption berauschend und führen den
Betrachter in eine besondere Welt mit einem ganz speziellen Klima und einer zwar starken aber wechselhaften
Stimmung. Das Auge wird gefangen genommen und der Betrachter wird zwischen Wahrnehmung und Begehren befreit.

(Lee Negris, Berlin 14.10. 2015)

1(fort.) “Hier ein wenig mehr Strychnin, da etwas Orangenaroma damit die böse Bittermandel nicht so durchkommt, und schließlich noch ein Schuss Bergamotte-Öl,
das duftet so schön- fertig ist das Gift ist die Droge. Fertig ist der dritte  Akt des ‘Tristan’ in seiner ganzen Manisch-depressiven Radikalität; und fertig ist
der zweite Akt “Parsifal” mit seiner wilden, ungebärdigen Klangmixturen.”




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